Im Rahmen einer Pressekonferenz wurde der Öffentlichkeit präsentiert, dass Entlassungsbriefe künftig schrittweise KI-gestützt erstellt werden – unter voller ärztlicher Verantwortung, mit zwei unterschiedlichen Versionen für Ärzt:innen und Patient:innen und ohne Weitergabe sensibler Daten außerhalb des Krankenhauses.
Nach Abschluss einer intensiven Test- und Entwicklungsphase wird das System nun kontrolliert und schrittweise in den klinischen Alltag integriert. Ziel ist es, die neue Technologie verantwortungsvoll in bestehende Abläufe einzubetten und kontinuierlich weiterzuentwickeln – nicht eine sofortige Umstellung aller Entlassungsbriefe.
Damit ist das Bezirkskrankenhaus St. Johann in Tirol das erste Krankenhaus in Österreich, das einen KI-gestützten Entlassungsbrief regulär einführt. Gleichzeitig ist es das erste Haus im DACH-Raum, das mithilfe Künstlicher Intelligenz zwei zielgruppenspezifische Versionen eines Entlassungsbriefes ermöglicht: eine fachlich optimierte Version für weiterbehandelnde Ärzt:innen sowie eine leicht verständliche, patientenfreundliche Version für Patient:innen. Das alles ist in verschiedenen Fremdsprachen vorgesehen – ein wichtiger Mehrwert für eine stark touristisch geprägte Region wie den Bezirk Kitzbühel.
Mehr Zeit für Medizin – kürzere Wartezeiten bei der Entlassung
Krankenhäuser stehen angesichts steigender Patient:innenfrequenzen und eines hohen administrativen Aufwands vor großen Herausforderungen. Gerade der Entlassungsprozess ist für Patient:innen oft mit
langen Wartezeiten verbunden. Entlassungsbriefe müssen erstellt, geprüft und freigegeben werden.
Hier setzt die KI-Unterstützung im Bezirkskrankenhaus St. Johann in Tirol gezielt an: Durch die automatisierte Vorarbeit bei der Dokumentation kann dieser letzte Schritt im Krankenhausaufenthal deutlich beschleunigt werden. Patient:innen profitieren von klareren Informationen und perspektivisch kürzeren Wartezeiten, während Ärzt:innen spürbar von administrativen Tätigkeiten entlastet werden.
„Künstliche Intelligenz ist für uns kein Ersatz für medizinische Expertise, sondern ein Werkzeug zur Entlastung. Sie kommt ausschließlich dort zum Einsatz, wo sie nachweislich Zeit spart, Qualität erhöht und den klinischen Alltag vereinfacht. Die medizinische Verantwortung bleibt dabei uneingeschränkt beim Fachpersonal“, betont Primar Peter Rainer.
Die gewonnene Zeit wirkt sich unmittelbar auf die Qualität der medizinischen Versorgung aus. Weniger Dokumentationsaufwand bedeutet mehr direkte Behandlungszeit, mehr ärztliche Routine und damit auch mehr Erfahrung im klinischen Alltag. Davon profitieren sowohl Patient:innen als auch das gesamte Versorgungssystem.
KI entlang des gesamten Behandlungspfades
Das Bezirkskrankenhaus St. Johann in Tirol zählt seit 2008 zu den ersten vollständig digitalisierten Krankenhäusern Österreichs. Mit der Zusammenarbeit mit der Symptoma GmbH, einem international ausgezeichneten Anbieter von KI-Lösungen im Gesundheitswesen, wurde dieser Weg konsequent weitergeführt.
Ziel ist eine schrittweise KI-Unterstützung entlang des gesamten Behandlungspfades – von der Aufnahme über die Behandlung bis zur Entlassung. Im Klinikalltag erfassen Patient:innen ihre Beschwerden digital, die KI strukturiert die Angaben, stellt gezielte Rückfragen und unterstützt das Arztgespräch durch eine übersichtliche Zusammenfassung. Auf Wunsch wird das Gespräch KI-gestützt dokumentiert, der
Ambulanzbefund vorbereitet und der Fall gesetzeskonform kodiert.
Der Entlassungsbrief wird anschließend KI-gestützt entworfen und von Ärzt:innen geprüft und freigegeben. Auch hier gilt: Die KI unterstützt, entscheidet aber nicht. Symptoma-Gründer Jama Nateqi erklärt: „Das Zwei-Versionen-Prinzip beim Entlassungsbrief ist ein entscheidender Schritt für bessere Kommunikation zwischen Krankenhaus, Ärzt:innen und Patient:innen – fachlich präzise und zugleich verständlich. Die Möglichkeit, Inhalte künftig auch in mehreren Sprachen bereitzustellen, ist gerade für internationale Patient:innen ein großer Fortschritt.“
Datenschutz und Verantwortung als klare Leitplanken
Der Schutz sensibler Gesundheitsdaten hat im Bezirkskrankenhaus St. Johann in Tirol oberste Priorität. Die eingesetzte KI wird ausschließlich innerhalb der Krankenhausinfrastruktur betrieben. Es erfolgt keine
Übertragung von Patientendaten in externe Clouds oder an Dritte. Datenschutz-Koordinatorin und KI-Beauftragte Kristina Tomic sagt dazu: „Dieser Ansatz erfordert bewusst höhere Investitionen in lokale Infrastruktur. Für uns ist das die Voraussetzung, um Datensouveränität, Sicherheit und das Vertrauen der Patient:innen sicherzustellen.“ Alle KI-Projekte werden zudem wissenschaftlich begleitet. Die KI erstellt ausschließlich Vorschläge – medizinische Entscheidungen treffen ausschließlich Ärzt:innen.
Strategische Weiterentwicklung des Krankenhauses
Verwaltungsdirektor Christoph Pfluger unterstreicht die strategische Bedeutung des Projekts: „Unser Ziel ist es, die massive administrative Belastung im Krankenhaus nachhaltig zu reduzieren. Die KI-Unterstützung ist keine kurzfristige Maßnahme, sondern Teil einer langfristigen Strategie, die wir Schritt für Schritt umsetzen, um Prozesse effizienter zu gestalten und die Versorgungsqualität dauerhaft zu sichern.“
Gleichzeitig stärkt der Einsatz moderner Technologien die Attraktivität des Bezirkskrankenhauses St. Johann in Tirol als Arbeitgeber. Ein innovatives Arbeitsumfeld mit weniger Bürokratie ist ein entscheidender Faktor im Wettbewerb um qualifiziertes Gesundheitspersonal.
Attraktiver Arbeitgeber und Innovationsmotor
Der konsequente Einsatz moderner Technologien stärkt auch die Attraktivität des Bezirkskrankenhauses St. Johann in Tirol als Arbeitgeber. Ärzt:innen, Pflegekräfte und Mitarbeitende arbeiten lieber in einem Umfeld, das administrative Belastungen reduziert, Innovation aktiv gestaltet und mit der Zeit geht. Darüber hinaus sind die KI-Projekte bewusst als Modellprojekte angelegt. Die in St. Johann in Tirol gewonnenen Erfahrungen sollen in weiterer Folge auch in anderen Krankenhäusern genutzt werden. Damit positioniert sich das Haus nicht nur als regionaler Versorger für rund 80.000 Menschen, sondern auch als Innovationsmotor im österreichischen Gesundheitswesen.
Rückenwind aus Politik und Eigentümerschaft
Tirols Digitalisierungs-Landesrat Mario Gerber sieht im Projekt ein starkes Signal: „Mit diesem innovativen KI-Projekt zeigt das BKH St. Johann eindrucksvoll, wie digitale Technologien im medizinischen Alltag einen echten Mehrwert schaffen – sowohl für Ärztinnen und Ärzte als auch für Patientinnen und Patienten. Damit übernimmt das BKH St. Johann eine Vorreiterrolle und unterstreicht Tirols Anspruch, Digitalisierung verantwortungsvoll und praxisnah einzusetzen. Der erste KI-generierte Arztbrief ist ein wichtiger Schritt hin zu einer modernen, effizienten und zugleich verständlichen Kommunikation im Gesundheitswesen.“
Fotos: BKH St. Johann / Claudia Egger






